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Geschichte der pharmazeutischen Fertigung in Radebeul
(Quellen: AWD.pharma GmbH & Co. KG, MADAUS AG, HEXAL AG, RAG Bildung GmbH, Belegschaft, Stadtarchiv)

1835

Franz Ludwig Gehe

Gründung der Drogerie- und Farbwarenhandlung Gehe & Co. in Dresden durch den Kaufmann

Franz Ludwig Gehe

(1810 - 1882)

Das Unternehmen wird später zu den Wurzeln des AWD gehören.

Fabrik Gehe & Co.

1874

Am 2. Januar gründet Dr. Friedrich von Heyden die "Salicylsäurefabrik Dr. F. von Heyden" in Dresden, die er ein Jahr später nach Radebeul verlegt.
Er setzt die vom bekannten deutschen Chemiker Hermann Kolbe entdeckte Salicylsäuresynthese im technischen Maßstab um. Die Wiege der modernen pharmazeutischen Wirkstoffherstellung steht in DresdenAktie Heyden 1929

Fabrik von Heyden 1898

Kaufmannsbild

Aktie der Chemischen Fabrik von Heyden AG Radebeul
im Wert von 1.000 Reichsmark (ausgegeben 1929)

Kaufmannsbilder mit Werbung für Zuckerin (Süßstoff)
der Chemischen Fabrik von Heyden Dresden-Radebeul

1919

1929

Gebr. MadausDie Firma Dr. Madaus & Co. wird 1919 in Bonn von den Brüdern Dr. med. Gerhard Madaus,
Friedemund Madaus und Hans Madaus gegründet.
Warenzeichen Madaus
Übersiedlung der Firma nach Radebeul. Sie betreibt die Produktion
von Arzneimitteln auf der Basis von Naturstoffen.

1931

Nach längerer Vorbereitung treffen sich Werksangehörige der Chemischen Fabrik von Heyden  in Scheibners Restaurant zur Gründungsversammlung der Sportvereinigung der Chemischen Fabrik v. Heyden”. Der Vorstand des Unternehmens hatte zuvor seine Einwilligung erteilt.
Als erstes wurden Faust- und Fußballmannschaften gebildet und die Aufnahme in den Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine betrieben.
Vor der Gründungsversammlung wurde in zweiter Auflage ein Freundschaftsspiel gegen die Schuhfabrik Radebeul veranstaltet, dass mit 0 : 3 verloren ging.
Später nennt sich der Verein dann Betriebssportgemeinschaft der Chemischen Fabrik v. Heyden A. G. Radebeul.
In den Madaus-Werken auf der Gartenstraße in Radebeul existiert ebenfalls eine Betriebssportgemeinschaft.

Gründung_BSG_Heyden

1938

In einem Schreiben vom 17. 02. 1938 findet sich die erste Erwähnung des Sportplatzes an der Meißner Straße:
“.... die Betriebssportgemeinschaft der Chemischen Fabrik v. Heyden bittet die Stadt Radebeul um die Genehmigung, den Sportplatz an der Meißner Straße  / Schillerstraße jeden Dienstag und Freitag in der Zeit von 16.30 Uhr bis Eintritt der Dunkelheit benutzen zu dürfen ...”

1951

Nach Enteignung und Verstaatlichung entsteht 1951 das VEB Arzneimittelwerk Dresden u. a. aus den Firmen Gehe und Madaus. Die Chemische Fabrik von Heyden AG besteht nach der Verstaatlichung 1948 unter ihrem Namen als volkseigener Betrieb fort.

1953

17. Juni: In Radebeul bleibt es weitestgehend ruhig Im Arzneimittelwerk und in den Chemischen Werken von Heyden kommt es zu kurzen Arbeitsniederlegungen und Versammlungen. Ein Panzer der Roten Armee fährt vor dem Werktor des AWD auf, Prof. Müller  von den Chemischen Werken von Heyden wird kurzzeitig inhaftiert. Von weiteren “Vorkommnissen” oder gar gewaltsamen Auseinandersetzungen ist nichts bekannt.

1958

Die Chemische Fabrik von Heyden wird in VEB Chemische Werke Radebeul umbenannt.

1961

Die Chemische Werke Radebeul werden in das VEB Arzneimittelwerk Dresden integriert.

1970

Das Arzneimittelwerk Dresden erhält den Status eines Kombinats. Schwerpunkte der Forschung und der Produktion sind die Synthese hochwirksamer Pharmaka, die Gewinnung reinster Pflanzeninhaltsstoffe, die Biochemie und die Mikrobiologie. Das AWD ist das Zentrum der Arzneimittelforschung in der DDR. Von 1950 bis 1975 wurden 20 Originalentwicklungen auf den Markt gebracht.

1979

Gründung des Pharmazeutischen Kombinats GERMED, dem fast alle Arzneimittelproduzenten der DDR angehören. Das Arzneimittelwerk Dresden ist der Stammbetrieb des Kombinats. Die Mehrzweckanlage für die Produktion pharmazeutischer Wirkstoffe auf Basis der chemischen Synthese wird in Betrieb genommen. Es ist möglich, in dieser Anlage bis zu 100 verschiedene Syntheseschritte für über 30 pharmazeutische Wirkstoffe durchzuführen.

1990

AWDDas Arzneimittelwerk Dresden löst sich aus dem Kombinatsverbund als eigenständiger Betrieb. Es wird am 1. Juni als GmbH gegründet. Nach dem 3. Oktober beginnt die Treuhandanstalt Berlin mit der Privatisierung des AWD. Große Anstrengungen unternimmt AWD zur Verbesserung der Umweltsituation durch technologische Neugestaltungen und umfangreiche Investitionen auf diesem Sektor.

1991

Asta MedicaDas Jahr zeichnet sich durch die Aktivitäten zur Privatisierung, die nach dem 03.10.1990 begann, der AWD GmbH aus. Am 18./19. Dezember wird der Kaufvertrag durch die ASTA Medica, Tochterunternehmen der damaligen Degussa AG, signiert (rückwirkend zum 1. Januar 1991).

1992

ASTA Medica verlegt ihren Sitz nach Dresden. AWD kauft von der Treuhandanstalt die Germed-Handelsgesellschaft mbH und räumt sich somit eine starke Position auf den mittel- und osteuropäischen Märkten ein.

1994

Gründung des "Bildungsverbundes Sachsens für Chemie und chemiebezogene Berufe" mit der Ausbildungsstätte Radebeul als einer der beiden Koordinierungsbetriebe.

1996

Am 1. Oktober werden der Verkauf Osteuropa von AWD, GERMED und ASTA Medica in den Verkauf Osteuropa von ASTA Medica International integriert. Nach Umbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen in der Fertigarzneimittelproduktion verfügt das AWD über eine der modernsten Anlagen zur Fertigarzneimittelherstellung in Deutschland.

1997

Anfang Juni wird zur thermischen Behandlung von Abluft und flüssigen Abfällen eine Anlage an das AWD übergeben. Der Synthesestandort Radebeul kann erhalten und weiter ausgebaut werden.
Durch Veränderungen in der Struktur wird das AWD Forschungs- und Produktionsstandort der ASTA Medica in Deutschland.

1999

AusbildungsstätteIm August eröffnet die neue Ausbildungsstätte für 120 Azubis (Ausbildung zum Chemikant, Pharmakant, Chemielaborant, Industriekaufmann, Kauffrau für Bürokommunikation und Diplombetriebswirt). Das AWD bildet außerdem im Rahmen der sächsischen Verbund-Ausbildung für Chemie und chemiebezogene Berufe Azubis kleinerer Betriebe aus.
Da die Degussa Hüls AG sich vorwiegend auf Spezialchemie konzentrieren möchte, entschließt sie sich von der ASTA Medica und somit von der AWD GmbH zu trennen.

2000

Im Januar wird die Wirkstoffproduktion des AWD an Degussa-Hüls verkauft. Die AWD GmbH wird als eigenständiger Geschäftsbereich neu strukturiert.

 

Abriß Schornstein

Abriß Gebäude

 

Die Degussa AG will durch Schornstein-Sprengung und Abriss mehrerer Gebäude Platz für neue Anlagen schaffen

2001

AWD.pharmaAm 23. März wird das Unternehmen AWD.pharma GmbH & Co. KG in das Handelsregister eingetragen. Das Unternehmen versteht sich als Pharmahersteller, der moderne, patentfreie Arzneimittel unter eigenem Markennamen entwickelt, herstellt und in Deutschland sowie ausgewählten internationalen Märkten vertreibt. Teile der bisherigen Forschung verbleiben in anderen ASTA Medica Geschäftsbereichen bzw. gehen in eine noch zu gründende selbstständige Forschungsgesellschaft mit dem vorläufigen Namen Elbion AG i.G. über. Am 14. Juni unterzeichnete der kroatische Pharmakonzern PLIVA den Kaufvertrag für AWD.pharma. Das neue Unternehmen nimmt am 1. Juli seine operative Geschäftstätigkeit auf.

2003

Das Werk in RadebeulIn der Region gehört das Werk zu den wichtigsten Arbeitgebern. Die meisten der rund 300 Mitarbeiter kommen aus Radebeul und dem angrenzenden Dresden. Sie zeichnen sich u. a. durch ihr langjähriges Know-how im Umgang mit Wirkstoffen aus. In der hochmodernen Ausbildungsstätte bietet man jungen Leuten eine fundierte und zukunftsorientierte Ausbildung zum Chemikanten, Chemielaboranten, Biologielaboranten, Pharmakanten, Industriekaufmann sowie zur Industriekauffrau  und Kauffrau für Bürokommunikation.
Zur Zeit befinden sich hier 180 Azubis in der Ausbildung. Im Freistaat Sachsen umfasst diese Anzahl 40% der Ausbildungskapazität für chemietypische Berufe.

2004

Radebeul AnlagenSeit dem 1. Januar 2004 wird die Ausbildungsstätte als Bildungszentrum von der RAG BILDUNG GmbH weitergeführt.

Hexal AG
Laut Vertrag vom 27. Februar 2004 geht das ehemalige Degussa-Werk Dresden zum 1. Juli auf die HEXAL AG über und firmiert fortan als eigenständige Tochtergesellschaft HEXAL Syntech GmbH.
Mit der Radebeuler Wirkstoffsynthese bekennt sich HEXAL darüber hinaus ein weiteres Mal klar zum Produktionsstandort Deutschland. „Wir bauen nach wie vor auf Deutschland als Produktionsstandort. Das Werk in Radebeul erfüllt alle Anforderungen, die wir an eine moderne Chemie-Synthese stellen“, so Dr. Andreas Strüngmann, Gründer und Vorstand der HEXAL AG. „Wir sind sicher, dass wir mit dem Know-How der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kürzester Zeit eine effiziente Produktionseinheit errichten werden können. Um eine schnelle Auslastung des Werks sicherzustellen, werden in der Anfangsphase zunächst Produkte eingebracht, die im HEXAL-Portfolio bereits etabliert sind.“ Ein deutliches Zukunftssignal ist auch die Ausbildungs- und Beschäftigungsgarantie. HEXAL erhält 177 Arbeitsplätze für den Zeitraum von fünf Jahren, übernimmt auch die 31 bestehenden Ausbildungsverhältnisse und wird für mindestens drei Jahre auf unverändertem Niveau jährlich neun Auszubildende einstellen.

(aus Pressemitteilung HEXAL AG vom 02.07.2004)