Handball

"Die Sportart Handball hat in Radebeul-Ost keine Basis!" Diese Erkenntnis stammt aus dem Jahr 1947. Damals existierte außer der Sektion Fußball in Radebeul-Ost fast nichts. Spätestens nach dem April 1950 wurde obiger Satz durch die "alte Garde" der Sparte Handball der SG Kaditz neu interpretiert. Durch den geschlossenen Übertritt dieser Handballergeneration zur BSG Chemie Radebeul war die Grundlage für die Entwicklung des Handballsportes auch in Radebeul-Ost geschaffen worden. Einige der damals aktiven Sportler sind auch heute noch oder erst recht unentbehrlich. Sei es durch ihre verantwortungsvolle Funktionärstätigkeit (Werner Fuchs, Walter Rostock) im Rahmen der BSG, im Rahmen der Freizeitgestaltung "SKAT" (Heinz Kießling, Heinz Mammitzsch) oder einfach dadurch, dass sie uns noch immer beratend und helfend zur Seite stehen.

Eigentlich begeht die Sektion Handball ihr 40jähriges Jubiläum im Rahmen der BSG Chemie erst im April 1990, das hindert uns jedoch nicht daran, als eine der größten, traditionsreichsten und leistungsstärksten Sektionen der BSG uns im Rahmen der 40-Jahr-Feier wohl und zu Hause zu fühlen.

Für uns fing alles ganz klein und bescheiden an:

Frauen und Männer mussten sich von der untersten Spielklasse nach oben kämpfen. Der Frauenmannschaft gelang der Sprung bis in die oberste Spielklasse der DDR. Auf dem 1956 schon ebenso ramponierten Spielfeld des Sportplatzes Wilhelm-Pieck-Straße sahen 500 - 600 Zuschauer die Oberligaspiele unserer Frauenmannschaft. Aus ihr gingen mehrere Nationalspielerinnen hervor, die den Eingeweihten auch heute noch bekannt sind:

Inge Kinder - Großstück, Gisela Lampe, Erika Kastner, Gerda Wischeropp - Scholz.

Größten Anteil an den Erfolgen hatten die damaligen Übungsleiter Martin und Schulz,

Zwei Spielberichte vom Oktober 1955, als der noch in der DDR-Liga spielenden Mannschaft auf dem Großfeld der Einzug ins Viertelfinale des DDR-Pokals gelang, sollen das hohe Spielniveau des Radebeuler Frauenhandballs verdeutlichen:

DYNAMO LEIPZIG - CHEMIE RADEBEUL
2  :  6     (1  :  1)

Die Niederlage kam für Dynamo überraschend, war aber verdient, da Radebeul in allen Mannschaftsteilen etwas überlegen war. Der schlechte Zustand des Spielfeldes ließ manchen guten Angriff zuschanden werden, Radebeul fand sich aber besser damit ab und schoss durch Haupt, J, Martin, Götz, J, Martin, Götz (13 m) und Döscher die zum Sieg notwendigen Tore. Nach diesen Leistungen müsste Radebeul in der Oberliga eine gute Rolle spielen.

 CHEMIE RADEBEUL - FORTSCHRITT OBERLUNGWITZ
2  :  3     (2  :  1)

400 Zuschauer, darunter Präsident Hans Scharf und Vizepräsident Heinz Kießling, bekamen zunächst von Radebeul ein sehr gutes Spiel zu sehen. Geschickter Einsatz der spritzigen Außenstürmerinnen ergab durch Herbich und Döscher eine 2 : 0 - Führung, aber Oberlungwitz verkürzte kurz vor der Pause durch Unger auf 1 : 2. Nach dem Seitenwechsel glückte der Ausgleich, und dann erwies sich Oberlungwitz als ausdauernder und holte sich durch Löffler das siegbringende Tor. Beide Auswahltorhüterinnen Kinder und Fiebig hielten sehr gut.

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Erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass die Torschützin aus dem Spiel gegen Leipzig zum 1 : 0, Gudrun Mieth - Haupt sowie Mitspielerin Monika Vetters Betriebsangehörige sind. Aus dem Spielbericht gegen den DDR- Vizemeister Oberlungwitz geht aber auch die hohe Wertschätzung hervor, die der Radebeuler Handballsport damals republikweit genoss. Vizepräsident der Sektion Handball des DTSB (jetzt Deutscher Handballverband der DDR) war der allen bekannte Radebeuler Heinz Kießling, der 1956 als Präsident des DHV die Werbebroschüre für die Aufnahme in die Internationale Handballförderation folgendermaßen vorstellte:

„Gestatten sie mir bitte, sie zu führen...”

Verehrte Freunde des Handballsportes!

Dieses Heft möchte Sie durch den Handballsport der Deutschen Demokratischen Republik führen. Warum, fragen Sie? Nun, weil nicht pic-06überall bekannt ist - es ist leider noch nicht oft der Fall -, dass in der Deutschen Demokratischen Republik die guten Traditionen des Handballsportes sorgfältig und verantwortungsbewusst weitergeführt werden.

Die Wiege des Handballsportes stand in Mitteldeutschland. Beim Durchblättern seiner Geschichte sind immer wieder die Namen solcher Städte wie Magdeburg, Leipzig, Weißenfels und andere mehr als Handballhochburgen genannt. Zahlreiche Spieler früherer Nationalmannschaften hatten in diesen Städten ihre Heimat.

Über 150.000 Handballspielende in der Deutschen Demokratischen Republik machen dem Handballsport Ehre. Neben den schon genannten Städten wuchsen in der Deutschen Demokratischen Republik mit Rostock, Berlin, Halle, Dessau weitere Hochburgen des Handballsportes heran.

Hoher Leistungsstandard wurde durch intensive und zielstrebige Arbeit nach 1945 in kurzer Zeit erreicht. Internationale Sieg im Feldhandball über die starken Nationalmannschaften von Schweden, Ungarn, der Tschechoslowakei, Rumänien und Polen sowie achtbare Ergebnisse im Hallenhandball gegen die Weltklassemannschaften Schweden und der Tschechoslowakei sowie gegen die sich schnell und qualitativ entwickelnden Damen und Herren von Ungarn dokumentieren dies und unterstreichen eindeutig die berechtigte Forderung der Sektion Handball der Deutschen Demokratischen Republik um Aufnahme in die HIF, die große Handballfamilie.

Dieses Heftchen will ihnen über die Entwicklung und den Stand des Handballsportes nach 1945 in unserer Republik berichten. Doch folgen sie bitte und sehen sie selbst: ...

Leider wurde die Entwicklung des Frauenhandballs in Radebeul durch den aus heutiger Sicht völlig irrigen Beschluss zur Bildung einer Sektion Handball beim neugegründeten SC Einheit Dresden und der damit einhergehenden Delegierungsbeschlüsse abrupt beendet. Es existierte praktisch keine Mannschaft mehr und es bedurfte allergrößter und langwieriger Anstrengungen, um über Kreis- und Bezirksklasse wieder den Anschluss an das Spitzenniveau des Bezirkes Dresden zu finden.

Dass dies gelang, ist vor allem dem Übungsleiter unserer Frauen, Günter Schneider, zu verdanken, der nahezu all seine Freizeit der Tätigkeit für den Frauenhandball gewidmet hat, und dies heute ebenso wie vor 15 Jahren mit ganzer Hingabe tut. Ausdruck seiner Arbeit war die Erringung des Bezirkspokales 1986. Heute spielt unsere Frauenmannschaft in der höchsten Klasse des Bezirkes wieder eine gute Rolle.

Die Entwicklung auf dem Sektor Männer verlief relativ kontinuierlich. Immer wieder gelang es, Söhne der "Urväter" der Sektion so auszubilden, dass sie in den 1. Mannschaften spielen konnten. Teilweise spielten Väter und Söhne in einer Mannschaft. (Siehe dazu Bildteil).

Große Verdienste an den Erfolgen der 60er Jahre hatten die leider viel zu früh verstorbenen Übungsleiter Rudi Krause und Rudi Reinhard sowie die Trainerin und ehemalige Nationalspielerin Erika Kastner.

Ein entscheidender Qualitätssprung gelang der Sektion Anfang der 70er Jahre, als nur noch Hallenhandball gespielt wurde und unter dem Übungsleiter Sportfreund Straube eine Jugendmannschaft geformt werden konnte, die von Erfolg zu Erfolg eilte.

Sie wurde A-Jugendbezirksmeiister und schaffte problemlos den Übergang zur Männerbezirksliga, ließ 1972 den Bezirksmeistertitel folgen und spielte 1972/73 und 1974/75 in der DDR-Liga. Diese DDR-Liga- Zugehörigkeit wurde auch noch 1975/76 verteidigt. Viele Gründe, leider auch die fehlende materiell- technische Basis führte dazu, dass die Klasse nicht gehalten worden konnte.

Seit 1976 spielt die Mannschaft in der Bezirksliga Dresden, errang in dieser Zeit 4 x den Bezirkspokal, wurde 2 x Bezirksmeister und mehrfach Medaillengewinner zum Abschluss des Spieljahres. Väter dieser Erfolge sind Übungsleiter Walter Oesterreieh und Mannschaftsleiter Werner Fuchs.

Inzwischen ist schon wieder eine Generation Kinder so weit herangewachsen, dass es Erfolg versprechend wäre, sie auszubilden.

Unsere beiden Nachwuchsübungsleiter Martina Becker und Joachim Gebauer geben sich dabei allergrößte Mühe und opfern einen beträchtlichen Teil ihrer freien Zeit dieser Aufgabe. Ihre Tätigkeit und die Schaffung entsprechender materiell-technischen Voraussetzungen sollte Garantie dafür sein, dass zum "echten" 40jährigen Jubiläum der Sektion Handball in der BSG Chemie Radebeul die Devise lauten kann:

"Der Handballsport in Radebeul-Ost wird sich weiterentwickeln!"

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